Computerwoche
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... So finden sich gerade im Bereich kleinerer Unternehmen einige Paradebeispiele für einen radikalen Umstieg auf E-Commerce. Ein spektakuläres Beispiel ist etwa der ehemalige Holzhändler Marcus Niedermeier aus Landshut. Die Goldgräberstimmung im Internet bewog den Unternehmer 1996, die alteingesessene Holzhandlung Knall auf Fall aufzugeben, um sich ganz dem Aufbau eines B2B-Portals für das Holzgewerbe zu widmen. Und die Rechnung ist voll aufgegangen - die "Internationale Holzboerse" legt in ihrem Nischenmarkt ein Wachstum hin, das Erinnerungen an die berühmten Internet-Start-Ups hervorruft. Auf die Frage, ob seine Geschäftsidee aufgegangen ist, lacht Niedermeier: "Wir haben derzeit 1,3 Millionen Zugriffe monatlich, sind weltweiter Marktführer als Holzhandelsplattform und haben keinerlei Konkurrenz." Die Holzbörse verfolgt zwei sich ergänzende Ideen: Als Handelsportal bringt sie Angebot und Nachfrage - vom billigen Sturmholz bis zum edlen Tropenholz - zusammen, gleichzeitig fungiert sie als tagesaktuelles Informations-- und Recherchemedium für die gesamte Branche. Etwa 1500 Mitglieder und 3000 Kunden aus dem In- und Ausland sorgen für regen Verkehr auf der siebensprachigen Site.
Um der ungebremsten Nachfrage gerecht zu werden, will Niedermeier seinen Mitarbeiterzahl von derzeit 14 in Kürze verdoppeln. Von der Programmierung über die Gestaltung, Hosting und Kundenbetreuung wird alles im Landshuter Firmensitz abgewickelt. Seine Umsätze generiert Niedermeier durch Mitgliedsbeiträge, durch Hosting von Branchen-Sites und durch eine zunehmende Zahl von Werbeschaltungen. Mit seiner elektronischen Plattform macht er den traditionellen gedruckten Branchenblättern zunehmend Konkurrenz, da die Anzeigenkunden verstärkt ins Internet wechseln. Stolz verweist der Niederbayer auch auf die weltweit erste Holzsuchmaschine "Holzsuche.de", die von eigenen Programmierern entworfen wurde. Für Niedermeier ist ein Ende der Expansion nicht abzusehen, er sieht sich geradezu zum Erfolg verdammt: "Ich würde gerne ein kleineres Unternehmen bleiben, aber das ist in dieser Branche bei der derzeitigen Entwicklung nicht möglich."
Das Beispiel Holzbörse zeigt auch, wie wenig es möglich ist, ein schlüssiges Bild über die Akzeptanz und Verbreitung des E-Commerce zu zeichnen. Vermutlich hatte es Niedermeier auch deshalb so leicht, eine Marktlücke zu finden, weil die Holzbranche insgesamt laut Fast-Umfrage wenig Internet-begeistert ist. Der rege Zulauf andererseits auf Holzboerse.de und der starke Leser- und Anzeigenrückgang bei gedruckten Branchenpublikationen zeigt eine interessante Entwicklung: Wenn das Angebot überzeugend ist, steigt auch im Mittelstand die Akzeptanz des Internet in kürzester Zeit schneller an, als uns manche Analysten glauben machen ....
(Autor: N.N. / 2001)
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