Frankfurter Allgemeine Zeitung

Gute Chance zur Emanzipation

Zeit wird für einen Händler erst dann zu Geld, wenn er rechtzeitig über die Marktsituation informiert ist. Der dreißig Jahre alte Marcus Niedermeier lernte das in der väterlichen Holzgroßhandlung Eduard Niedermeier im bayerischen Landshut, als er nur auf das Holz-Zentralblatt angewiesen war. Printmedien, erkannte er, sind für das internationale Holzgeschäft zu langsam und zu regional. Weil allein das Internet Abhilfe versprach, stieg er daheim aus und gründete 1996 mit einem Partner die Internationale Holzbörse GmbH. Sie erwirtschafte seit 1999 Gewinn, sagt Niedermeier, finanziert sich aus Bannerwerbung und den Mitgliedsbeiträgen von heute 1700 registrierten Benutzern und 3400 Kunden, die dafür jederzeit über aktuelle Angebote, Nachfrage und Brancheninformationen in sieben Sprachen verfügen. Jeden Monat registriert er 1,8 Millionen Zugriffe auf holzboerse.de. Mittlerweile ist nur mehr die Technik in Niedermeiers niederbayerischen Heimat, die Holzbörse ist bereits an den Münchner Flughafen umgezogen, zum Jahreswechsel wird sie als Aktiengesellschaft firmieren. Bald will er lukrative Auktionen im Netz veranstalten. Risikokapitalgesellschaften wollen „einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag“ einschließen, damit 2001 erste Filialen in Österreich, Frankreich und Italien, 2002 in Amerika, Rußland und Hongkong errichtet werden können. Niedermeier Senior hat jetzt ein Nachfolgeproblem. Und Juniors Holzbörse sei jetzt schon – sagt er selbstbewußt – „etwas größer“ als der alteingesessene Familienbetrieb.

(Autor: Gerd-Gregor Feth / 2001)

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